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Wir haben genau für euch hingeschaut.


Befragt und vorgestellt: Yutta Saftien

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Alt 11.04.2007, 02:00
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Befragt und vorgestellt: Yutta Saftien

Hallo Frau Saftien,

seit einigen Tagen haben wir Ihr "Bosporus - Projekt in Istanbul 2008" unter der Überschrift "Häkelhilfe erwünscht" auf meiner Seite vorstellen können.

Es hat einiges an Interesse erlangt und natürlich neugierig gemacht - was die Geschichte und das Ziel dieser Aktion anbelangt.
Ich freue mich, dass Sie uns dazu etwas erzählen wollen.

Vielleicht sagen Sie uns etwas über Ihren beruflichen Werdegang und die Idee, die dahin führte?


Mein beruflicher Werdegang ist nicht ganz geradlinig, da er nicht dem üblichen, klassisch akkademischen Weg eines Künstlers entspricht. Ich will trotzdem
versuchen ihn knapp zu umreißen.
Ich habe aus privaten Gründen nicht Kunst studiert sondern den Umweg über das Modedesign zur Kunst genommen. Für die Ausbildung zur Künstlerin gab es in meiner Familie alles andere als Akzeptanz, Modedesign allerdings war o.k., da meine Mutter Schneiderin war.
Dennoch versuchte ich stets mich mit den Mitteln der Kunst auszudrücken und bereits während meines Studiums als auch neben der designerischen Tätigkeit
im Strick- und Wirkbereich habe ich Zeichnungen und Gemälde in Galerien ausgestellt und verkauft. 1997 fing ich an mich mit Objekten für den öffentlichen Raum bzw. mit Installationen zu beschäftigen. Textile Formen und Materialien haben dabei stets eine Rolle gespielt.
Das sich in meiner Arbeit Formen des Designs und der Kunst immer wieder gegenseitig durchdringen und beinflussen halte ich für ganz selbstverständlich,
wenn man das lebt, was man tut und ich sehe es als gegenseitige positive Befruchtung an.
Neben diesen formalen Aspekten ist wohl nicht unwichtig zu sagen, dass meine Arbeit sich inhaltlich und auch ganz praktisch, wie die Begrünungen zeigen, mit gesellschaftspolitischen Fragen und Umgangsformen beschäftigt und oft multikulturelle Anliegen verfolgt.

Nun zur Entwicklung der Bosphorus-Greeny-Idee:
Schon in den frühen 90er Jahren, als ich mich häufig zu Kollektionserstellungen in Istanbul aufhielt, verspürte ich den Drang, die außergewöhnliche Situation
der Menschen in dieser einmaligen, auf zwei Kontinenten im Brennpunkt zwischen östlicher Tradition und westlicher Lebensform gelegenen Stadt in meiner künstlerischen Arbeit zum Ausdsruck zu bringen. Es entstanden damals ein paar wenige Acrylbilder zu diesem Thema, aber ich blieb auf der Suche nach der richtigen Form.
Erst Jahre später, ich hatte bereits bedingt durch zwei unzufriedenen Jahre im mir als zu grau empfundenen Stuttgart die Greenys als wachsende und belebende Kunstwerke für den öffentlichen Raum entwickelt, begegnete ich meiner Istanbul-Vision: Als eines Tages mein Mann aus Istanbul zurückkehrte und von der Stadt
schwärmte, während ich gerade an einer Greeny-Ranke arbeitete, sagte ich zunächst fast scherzhaft: " Vielleicht sollte ich einmal eine Ranke über die
Bosphorus-Brücke häkeln"...und da war sie, die Idee, auf die ich über zehn Jahre gewartet hatte...zunächst nur so dahin gesagt, doch im Laufe der folgenden Tage wurde mir klar, dass sich im Grunde in den vergangenen Jahren alles auf diese Vision und Arbeit hin entwickelt hatte und dass ich alles daran setzen muß, diese Vision in die Tat umzusetzen. Das Bosphorus-Greeny ist also das logische Ergebnis einer über Jahre dauernden künstlerischen und menschlichen Entwicklung und gleichsam Ausdruck eines, nicht mit dem Verstand erklärbaren Gefühls dafür, dass es richtig und wichtig ist und gerade jetzt sein sollte.



Sie sind weltweit unterwegs. Gibt es Unterschiede, was den künstlerischen Umgang mit textilen Materialien anbelangt? Die Brücke mit - ich sage das jetzt mal abstrahiert - Häkelranken zu schmücken ist ja doch etwas nicht ganz Alltägliches. Warum gehäkelt, warum Textile Umsetzung?

Natürlich gibt es Unterschiede, was den weltweiten künstlerischen Umgang mit Textilien angeht, aber es ist nicht mein Anliegen diese zu vergleichen oder zu bewerten. Da gibt es Kunst und Kunsthandwerk. Ob eine Technik in Form von Kunst oder Kunsthandwerk zum Ausdruck kommt ist meist eine
Auslegungssache und sehr subjektiven Argumenten unterlegen...wie die Frage danach, ob etwas Kunst sei oder nicht...ich halte mich da raus und finde,
dass es egal ist, wie man eine Arbeit benennt, Hauptsache sie ist in sich stimmig und die verwendete Technik passt zu ihr.

Für das Bosphorus-Greeny ist letztendlich nur entscheidend, dass die Menschen weltweit Techniken finden, mit denen sie sich am Projekt beteiligen können. Ich hoffe sehr, dass es da keine Berührungsängste gibt weil man glaubt, es müßten besonders kunstvolle Ranken geschaffen werden. Es geht um das Teilhaben, nicht darum, dass man Kunst beisteuern soll.

Warum ich auf textile Techniken zurückgreife ist quasi schon in der Antwort auf die vorangegangene Frage enthalten, wobei aber noch anzumerken
ist, dass die Greenys auch hätten aus anderen Materialien in anderen Techniken gefertigt werden können, wenn mir eine Technik als geigneter erschienen wäre.
Zunächste wollte ich sie aus Kunststofffolien arbeiten, aber das Material schien mir zu anfällig. Außerdem hätte ich dann fertige Objekte gehabt
und das interaktive Moment, das Mitwirken von Passanten wäre nicht möglich gewesen. Ich erinnerte mich zu diesem Zeitpunkt daran, dass ich schon als Kind die unterschiedlichsten Gebilde gehäkelt und auch Gegenstände eingehäkelt hatte und entschied, dass dies die beste Technik für die Greenys sei. Trotz größerer Anfälligkeit können mittlerweile auch gestrickte Teile in die Greenys integriert werden.

Ganz wichtig: Es ging mir nie darum mit dieser Technik auch eine feministische Aussage zu machen. Die Wahl der Mittel folgt rein praktischen Überlegungen.
Aus diesem Grund ist es auch nicht mein besonderes Anliegen textile Techniken international zu vergleichen und auf ihre u.a. künstlerische Verwendung zu überprüfen.


Gibt es Anleitungen für die "Greenies"? Was heißt "Wetterfestes Material"?


Nein, es gibt bewußt keine Anleitung, denn ich bin neugierig und freue mich auf die vielfältigsten Ergebnisse. So wie die Menschen ganz individuell sind,
sollten auch ihre Greeny-Ranken,-Blätter oder-Blüten sein. Würde ich eine Anleitung vorgeben, könnte ich auch gleich alles selber machen und müßte auf das spannende `freestyle´ Häkeln oder Stricken verzichten.

Allerdings gibt es gewisse Bedingungen, die man gerade bei einem so ungewöhnlichen Projekt, wie es das Bosphorus-Greeny ist, befolgen muß.
Auf der Bosphorus-Brücke herrschen starke Winde und sollte es einmal regnen darf das nicht das Ende der Aktion sein. Daher müssen das Greeny und seine
einzelnen Bestandteile möglichst wetterfest sein. Zerbrechliche und filligrane Arbeiten sind daher äußerst ungeeignet und ich muß es mir vorbehalten
zu sensible Teile nicht einzusetzen, denn ich trage die Verantwortung.

Materialien wie z.B. Papier oder Glas sollten daher nicht eingesetzt werden. Eine robuste, feste Verarbeitung ist zu begrüßen.
Ich selbst setze für tragende Greeny-Teile gerne ein 100%iges Acrylgarn ein. Das ist o.k., da das Greeny später nicht recycelt werden soll sondern als
weiterwachsendes Objekt auch noch an anderen Orten der Welt eingesetzt werden soll.



Welche Beziehungen haben Sie zu anderen textilen Techniken?


Wie schon gesagt interessieren mich textile Techniken nur in Bezug auf ihre Notwendigkeit zur stimmigen Umsetzung einer künstlerischen Arbeit.
Bislang waren das hauptsächlich das Häkeln und Stricken, es wurde aber auch schon genäht. Andere Techniken habe ich noch nicht eingestetzt und werde dies auch nur dann tun, wenn es die Arbeit zwingend verlangt.



Sie bringen mit dem Projekt Menschen von verschiedenen Kontinenten, Altersklassen, Kulturkreisen, Weltanschauungen und Kenntnissen zusammen in mehrfacher Bedeutung. Welche Unterstützung weltweit können Sie jetzt schon in Anspruch nehmen und was würden Sie sich wünschen, damit es auch klappt mit der Planung, den Bospurus zu überspannen?


Das schöne am Bosphorus-Greeny-Projekt ist, dass es grundsätzlich niemanden ausschließt und jeder mitmachen kann, selbst wenn er weder Stricken noch Häkeln kann...auch durch einfache Knotungen kann man Ergebnisse erzielen. Jeder kann so etwas beisteuern zu einer Arbeit, die ein friedvolles Symbol für Zusammenarbeit von und für Kommunikation zwischen unterschiedlichsten Menschen werden kann.

Momentan wird bereits in Deutschland, der Türkei, den U.S.A., in China, Thailand, Malaysia, Luxemburg, Brasilien, Polen, Australien und Neuseeland
am Greeny gearbeitet.


Unterstützt wird das Projekt durch eine PR-Agentur in der Türkei, durch einen gemeinnützigen deutsch-türkischen Kulturverein mit großem politischem
und wirtschaftlichem Einfluß in Istanbul, durch diverse türkische Firmen, auch durch das Engagement der Firma coats / Schachenmayr, durch das
Goethe-Institut sowie das deutsche Generalkonsulat in Istanbul,durch viele Freunde und nun auch durch das Portal der Hobbyschneiderin.

Mit den Unterstützern ist es wie mit den Mitarbeitern: Je mehr das Greeny wächst, also auch je mehr Menschen davon erfahren, desto mehr Hilfe erhält es, da es ein positives Projekt ist.
Trotzdem ist noch sehr viel zu tun und die Unterstützung als auch die Mitarbeit ist noch nicht so weit fortgeschritten, wie ich es mir wünsche und wie es zur Realisation des Projektes nötig ist. Ich kann also nur hoffen und bitten, dass nicht nur viel über das Bosphorus-Greeny gesprochen wird, sondern das tatkräftig zugepackt wird und sich noch viele Menschen weltweit dazu entschließen, Teil zu haben an diesem Friedlichen Projekt und zu seinem Gelingen beizutragen.


Wann ist der Termin vor Ort und wohin sollen die Teilstücke bis wann geschickt werden, damit Sie jene benutzen können?

Das Zeitfenster für das Bosphorus-Greeny-Projekt ist erweitert worden, was zum einen mit den diesjährigen Wahlen in der Türkei zu tun hat und zum anderen mit der noch zu geringen internationalen Beteiligung. Als vorraussichtlicher Aktionstermin vor Ort in Istanbul wird September/Oktober 2008 anvisiert.

Um so früh wie möglich einen Überblick über die Beteiligung zu haben und auch um besser planen zu können, sollten bereits Ende 2007 möglichst viele Greeny-Ranken vorhanden sein.


Teilstücke bitte an folgende Adresse schicken:
Yutta Saftien, Brandstücken 33, 22549 Hamburg, Deutschland.


Wer möchte kann mir gerne ein Foto mit sich und seinem Greeny-Teilstück zukommen lassen, bitte mit der Zustimmung, dies in der Projekt-Dokumentation verwenden zu dürfen. Außerdem können Teilnehmer auf der homepage www.bosphorus-greeny.com unter participents mit Namen, Stadt und Land genannt werden.

Ich möchte bei dieser Gelegenheit schon einmal allen, die mithelfen wollen und werden ganz herzlich danken für ihr Engagement! Nur wenn viele zusammen
anpacken, kann das Projekt gelingen und der Anblick des Greenys auf der Brücke wird alle belohnen: Sie sind ein Teil davon!




mit den besten Grüßen,
Yutta Saftien

Vielen Dank für diese umfassenden Informationen, die ich hoffe, vielen doch auch Lust machen, ein Teilstück zu fertigen. Wir werden Sie begleiten und ich wünsche stellvertretend viel Erfolg und danke für das Interview.

Anne Liebler

Geändert von Hobbyschneiderin (28.08.2007 um 10:06 Uhr) Grund: Datum verändert
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  #2  
Alt 11.04.2007, 10:41
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Dazu gibt es nun noch ein paar Bilder










Nun bin ich sehr auf eure Meinungen gespannt.

Viele Grüße
Anne
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  #3  
Alt 11.04.2007, 11:00
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AW: Befragt und vorgestellt: Yutta Saftien

Hallo, Anne
also ich bin sehr froh dass ich an diesem Projekt teilnehmen darf. Habe mir Acrylgarn besorgt und fange schon mal an mit häkeln. Mein jüngster Sohn Christopher war auch sofot begeistert und möcht an Hand von "Strickliesel" viele bunte Blüten mitgestalten. Auch meine Schwester ist am Überlegen, dort mitzumachen.
Alles Liebe Elke
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  #4  
Alt 11.04.2007, 11:20
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Hallo,

sorry aber ich muss nun doch noch einmal nachfragen: kann ich auch mitmachen, wenn ich nicht stricken oder häkeln kann also z.B. durch nähen?

Gruß von
Sonja
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Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann. (Francis Picabia)

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  #5  
Alt 11.04.2007, 15:28
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Zitat:
Zitat von dede
Hallo,

sorry aber ich muss nun doch noch einmal nachfragen: kann ich auch mitmachen, wenn ich nicht stricken oder häkeln kann also z.B. durch nähen?

Gruß von
Sonja

Hallo Sonja, lies dir diese Seite nochmal durchvon nähen steht hier nichts.
Allerdings steht in dem Artikel auch, dass man das Material knoten könnte.
Gruß charliebrown
__________________
VG charliebrown
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